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Vegan-Selbstexperiment: Abbruch nach Woche 2

Die 2. Woche meines Vegan-Selbstversuchs ist vorbei und ich muss euch leider sagen, dass ich mein Experiment jetzt nach der 1. Halbzeit abgebrochen habe. Ich erzähle euch heute natürlich wieso ich das getan habe, was ich von der veganen Lebensweise halte und zeige euch einzelne Schwerpunkte, die euch interessieren könnten.

Hauptproblem: Histamin

Zunächst einmal muss ich sagen, dass ich dachte mein Experiment am wahrscheinlichsten wegen einer Heißhungerattacke abzubrechen als wegen der blöden Histaminabbauschwäche. Aber es kommt ja meistens anders als man denkt.

 

Ich habe, wie schon öfters erwähnt, eine Abbauschwäche des Hormons Histamin, dass der Körper selbst produziert aber auch in vielen Lebensmitteln enthalten ist. Bei einem Überschuss weist man bestimmte Symptome auf, die bei jedem anders sind, bei mir sind es Schwindel, starke Kopfschmerzen und Übelkeit, bei Tomaten, Ananas und Kiwi bekomme ich noch dazu Ausschlag und meine Zunge schwillt an. Soja ist dabei unter anderem eines der Lebensmittel, die einen besonders starken Histamingehalt aufweisen und bei einer veganen Lebensweise ist es wirklich schwer auf Soja zu verzichten. 

 

Egal ob im Joghurt, Sauerrahmersatz, Aufstrichen oder Tofu - überall Soja. Ich muss sagen in sehr geringen Mengen vertrage ich es (den Vanillepudding von Joya vertrage ich einigermaßen) aber die meisten veganen Ersatzprodukte bestehen zu mindestens 70% aus Sojabohnen. Also hielt ich Ausschau nach Alternativen.

 

Wenn man laaaange sucht, findet man sie vereinzelt. Eine Alternative sind zum Beispiel Lupine, von dem ich aber lediglich einen (!) Pudding beim Einkaufen fand und der auch nicht gerade billig war (im Internet wollte ich jetzt auch nicht unbedingt bestellen). Von Joghurt brauche ich gar nicht anzufangen - alles auf Sojabasis - bis auf einen 125g(!) Kokosjoghurt, der stolze 1,99€(!) kostet. 

 

Aber abgesehen von Soja kann ich auch viele andere Lebensmittel nicht essen, die aber in der veganen Küche kaum wegzudenken sind. Spinat, viele Hülsenfrüchte, die meisten Beerensorten, Tomaten, Trockenobst, Nüsse, Zitrusfrüchte, Avocado, Kichererbsen - alles Histaminbomben.

Was ich also gegessen habe

Zum Frühstück fand ich eigentlich immer etwas: Aufstrich, Margarine, Müsli, vegane Pancakes und meistens machte ich mir einen Smoothie mit Leinsamen und Dinkelflocken. 

 

Maiswaffeln, Dinkelsoletti und Popcorn: Auch an Snacks mangelte es nicht, vor allem die vegane Schokolade hat es mir angetan, obwohl ich sonst keine Schoko-Liebhaberin bin. Die vegane Variante von Rittersport wird mich auf jeden Fall weiterhin begleiten (Achtung Suchtgefahr!). Auch Chia-Pudding habe ich in den 2 Wochen kennen und lieben gelernt.

Das größte Problem waren die Hauptspeisen. Ich habe mich fast ausschließlich von Reis, Kartoffeln und Brot ernährt, was für die meisten Menschen eine Beilage ist. Es gab Knoblauchbrot, Gemüsesuppe, Linsen mit Semmelknödel, Curry-Reis, Ofenkartoffeln (leider ohne Dip) und Margarine-Brot mit Paprika und Gurke. Nach einer Woche wusste ich wirklich nicht mehr was ich kochen sollte.

 

In der 2. Woche war ich bereits etwas niedergeschlagen. Das Einkaufen dauerte doppelt so lange, weil ich kaum Lebensmittel fand, die histaminarm UND vegan waren. Einen Käse von Veganzz auf Kokosöl-Basis habe ich ausprobiert und der schmeckte mehr als künstlich (und 4 Scheiben für 2,99€??). Und von den Wurst- und Fleischersatzprodukten wollte ich mich sowieso fernhalten, was darin teilweise an Geschmacksverstärkern und E-Nummern enthalten ist, hat nichts mehr mit gesundem veganen Essen zu tun.

 

Es setzte mir immer mehr zu, dass ich nichts mehr zu essen fand und dann nur dasselbe gegessen habe. Das Essen machte mir irgendwie keinen Spaß mehr und Energie hatte ich etwas weniger als sonst, was ich beim Sport merkte. 

 

Ständig musste ich mir Gedanken machen, was ich wohl jetzt esse, was vor allem unterwegs ein ziemliches Problem ist, wenn man nicht selbst etwas mit hat. Vegane Snacks für unterwegs sind nämlich nicht einfach zu finden (Tipp: Anker hat jetzt vegane Krapfen und einen Schokokuchen permanent im Sortiment).

 

Nach meiner Prüfung am Donnerstag ging es mir so schlecht, innerlich als auch körperlich, dass mein Freund gesagt hat, ich solle das Experiment abbrechen, und das habe ich dann auch getan. Ich war ein bisschen enttäuscht von mir selbst, weil ich nicht "durchgehalten" habe, aber als Fleischesser vegan zu essen an sich ist schon eine Herausforderung aber mit dem Histamin-Faktor wird die Auswahl nochmal um die Hälfte eingeschränkt und hier fehlte es mir um ehrlich zu sein nach 2 Wochen an Kraft, Ideen und dem Willen weiterzumachen. Ich hoffe ihr versteht das

Der Einkauf

Im Artikel von letzter Woche bin ich bereits schon etwas auf den Faktor Einkauf eingegangen und es ist, wie bereits erwähnt, nicht unbedingt teurer. Was man sagen muss ist, dass sich mein Obst- und Gemüseverbrauch um einiges vervielfacht hat und das in unserer Gesellschaft leider oft nicht allzu billig ist. Ansonsten fand ich jedoch keine gravierenden Unterschiede.

 

Beim Einkaufen realisierte ich das erste Mal, dass eigentlich 80% meiner Ernährung aus tierischen Produkten besteht. Sei es die Milch im Kaffee, die Butter auf dem Brot oder die Gummibärchen zum Naschen. Deswegen habe ich auch viel bewusster eingekauft und wirklich immer auf die Inhaltsstoffe geschaut, was teilweise eben auch erschreckend war, da vegan nicht gleich gesund ist. Dass ich auf die Inhaltsstoffe schaue, auch bei nicht-veganen Produkten, werde ich auf jeden Fall beibehalten.

 

Was ich noch dazu sagen kann ist, dass ich meistens in mehrere Läden musste, um etwas zu finden. Merkur, DM und Spar haben jedoch ein großes Angebot an veganen Produkten (leider fast ausschließlich mit Soja).

Das Sozialleben

Ich muss an dieser Stelle einmal sagen, dass ich wirklich wundervolle und tolerante Freunde habe, von denen einige auch sehr interessiert waren, was für mich überraschend war. Vor allem mein Freund hat mich in diesen 2 Wochen sehr unterstützt und hat zwar nicht vegan aber vegetarisch gegessen. Danke an dieser Stelle, du bist einfach der Beste. 

 

Ich hatte in meinem sozialen Umfeld eigentlich keine großartigen Veränderungen oder Begegnungen, was vielleicht auch daran lag, dass ich dauernd für meine Prüfung gelernt habe und deshalb viel zu Hause war. Auf Instagram, Facebook und auch hier auf meinem Blog habe ich so ein tolles Feedback von euch bekommen, worüber ich mich wirklich sehr gefreut habe. Vor allem ein paar Tipps und Tricks aus den veganen Facebook-Kochgruppen waren sehr hilfreich.

Der Geschmack

Ich bin eine kleine Genießerin. Diejenigen, die mich kennen, wissen, dass ich sehr langsam esse. Ich lasse mir einfach gerne Zeit und hasse es, zu schlingen oder unterwegs irgendwas zu essen. 

 

Während diesen 2 Wochen habe ich viel Neues ausprobiert: Chia, Hafermilch, Reismilch, vegane Pancakes, Hafer Cuisine, Gemüsetortellini, veganen Käse, vegane Schokolade usw. 

 

Die meisten Dinge waren echt lecker wie zum Beispiel die Schokolade oder die Hafermilch aber der Käse zum Beispiel war wirklich nicht meins. Ich habe aber in der veganen Kochgruppe gestöbert und gelesen, dass viele Veganer bei Käse noch lange eine Ausnahme machen, weil sie einfach keinen finden, der ihnen schmeckt. Und das verstehe ich vollkommen. Außerdem habe ich Hafer- und Reis Cuisine (ein Ersatz für Rama Cremefine) von DM probiert und beides war leider wirklich nicht gut, aber das war einfach mein persönlicher Geschmack, mein Freund fand es nicht so schlimm.  Aber Kaffee und Kakao mit Hafermilch fand ich überraschenderweise extrem lecker (mit Reismilch jedoch gar nicht), mein Freund fand seinen Kaffee mit Hafermilch leider ungenießbar - wie man sieht also alles Geschmackssache.

 

Vielleicht ist es, weil meine Auswahl so eingeschränkt war, aber irgendwie habe ich ein bisschen die Lust am Essen verloren. Ich musste immer genau planen und versuchen vegan und histaminarm unter einen Hut zu bringen und wenn ich dann endlich ein Gericht gefunden habe, dass ich essen durfte und es mir dann nicht geschmeckt hat, war das schon jedes Mal ein kleiner Tiefschlag.

 

Ich habe total gemerkt, wie wichtig mir Essen und wie wichtig es mir ist, bewusst zu essen und zu wissen was eigentlich da auf meinem Teller liegt. Teilweise wusste ich gar nicht mehr was ich eigentlich esse (dass in Nudeln fast immer Ei enthalten ist habe ich irgendwie auch nie so richtig realisiert).

Meine Lieblingsprodukte, die ich sicher weiterhin essen werde

  • Vegane Schokolade von Rittersport
  • Gemüsetortellini von DM
  • Kokosmilch 
  • Chia
  • Himbeer-Erdbeer-Fruchtaufstrich von DM
  • vegane Semmelknödel
  • veganes Nougateis von Spar auf Hafermilch-Basis (sogar mein Freund ist totaler Fan davon)

Fazit

Auch wenn meine Erfahrungen teils sehr negativ rüberkommen, hat das rein gar nichts mit dem veganen Lebensstil an sich zu tun, sondern mit dem blöden Histamin - das wollte ich nur mal sagen. Ich sage nicht, dass es unmöglich ist, ohne Soja, Hülsenfrüchte usw. vegan zu leben, aber für mich ist es derzeit einfach keine Alternative


Veganer sind für mich einfach tolle und bewundernswerte Menschen, die ihre eigene Ideologie haben und ihr Leben danach ausrichten. Die Welt braucht Menschen, die an die Umwelt und auch an die Tiere denken, die eigentlich viel zu oft auf unserem Teller landen. Hut ab, ihr Lieben, eure Einstellung sollten sich wirklich mehr Menschen zu Herzen nehmen.

 

Mit meinem Experiment wollte ich einmal in diese Welt eintauchen, um zu verstehen wieso man so lebt und um dies besser nachvollziehen zu können. Ich finde, man sollte Menschen nämlich nicht wegen ihrer Lebensweise verurteilen und schon gar nicht wenn man überhaupt keine Ahnung davon hat. Deshalb möchte ich auch noch einmal betonen, dass ich mit diesem Artikel niemanden verurteilen oder in einen Topf werfen möchte, ganz im Gegenteil, es sind lediglich meine Empfindungen dieser 2 Wochen in einem Beitrag zusammengefasst. 

 

Abgesehen vom Histamin stehen die veganen Alternativen den tierischen Produkten (meistens) in nichts nach. Wenn man Soja verträgt, findet man schon relativ viel in den Supermärkten, angefangen von Sojaschnetzel bis hin zu Joghurt, Käse, Schlagobers, veganer Spinatlasagne und vielem mehr. 

 

Ich würde es jedem ans Herz legen, so ein kleines Experiment einmal selbst durchzuführen und dann für sich selbst zu entscheiden, was für einen das Beste ist, denn jeder sieht das anders und es ist auch okay so. Aber es ist wirklich erschreckend wieviel tierische Produkte wir täglich zu uns nehmen, die uns teilweise nicht einmal bewusst sind.

 

Anfangs war ich, wie gesagt, etwas enttäuscht von mir, weil ich nicht länger durchgehalten habe, aber hey, ich bin auch nur ein Mensch. Ich bin keine Veganerin und das ist auch okay so. Für mich ist es einfach keine Alternative, für immer rein vegan zu essen aber das ist auch okay. Ein Glas Milch zu trinken und ein Ei zu essen ist keine Schande, aber was mir ein Anliegen ist: Schaut bitte auf die Qualität, Herkunft und Inhaltsstoffen von Produkten. Ich werde auf jeden Fall vegane Produkte und Gerichte weiterhin in meinen Alltag einfließen lassen, nicht mehr allzu viel Fleisch essen und einen veganen Tag pro Woche einlegen, vielleicht ist das ja auch für meine nicht-veganen Leser eine Alternative?

 

Mein Appell aber hiermit an euch: Esst mehr Obst und Gemüse, baut selber an, legt wert auf das was ihr esst, denn: Du bist was du isst. 

Eure Sarah :)

 

P.S.: Das sind übrigens Chia-Samen im Bild.

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Kommentare: 4
  • #1

    Wren (Dienstag, 14 März 2017 20:10)

    Was für ein schöner,authentischer Bericht. Du bist nicht die Einzige! Meine vegane Phase endete bereits nach einer Woche weil ich Soja nicht vertrug und nur noch auf der Schüssel hockte. Was aber blieb ist der Respekt vor dem Essen, dem Anbau und das Bewusstsein für Herkunft. Ich gebe viel Geld für Essen aus weil ich gerne regional und möglichst hochwertig kaufe. Was ich verloren habe durch die vegane Phase? Meine Intoleranz . Was ich gewonnen habe? Liebe zum Essen.

    Alles Liebe
    Wren

  • #2

    Nina (Dienstag, 14 März 2017 21:32)

    Hi Sarah,

    ich bin über deinen Blog bei Facebook gestolpert, da ich veganer Ernährung kritisch gegenüber stehe, musste ich mal schauen, was Du dazu sagst.

    Im großen und ganzen stimme ich aber mit dir überein. Jeder soll es machen, wie er will. Vielleicht nicht alles stumpf in sich hineinstopfen, sondern mal überlegen, was woher kommt und mal hier und da Eier direkt vom Bauernhof holen etc.

    Irgendwo hast gesagt "hat nichts mit gesundem veganem Essen zu tun". Ich finde es erschreckend, dass viele Leute vegan=gesund denken. Veganes Essen ist nur gesund, wenn man sich intensivst damit auseinander setzt und genau darauf achtet genug Nährstoffe zu bekommen. Viele Menschen sind dazu gar nicht in der Lage oder wissen das einfach nicht. Vitamin B12 muss sowieso noch extra als Tablette hinzugenommen werden. Von daher ist vegan für mich weniger gesund, als mehr eine Ernährungsform, die anders ist, aber genauso viele, wenn nicht mehr Risiken mit sich bringt.

    Viele Grüße, NIna

  • #3

    Doro (Mittwoch, 15 März 2017 08:39)

    Ich vertrage Soja in großen Mengen auch nicht. Mir würden bei einer veganen Lebensweise deshalb vor allem die Milchprodukte fehlen. Hafermilch in meinem geliebten Kaffee finde ich okay, aber noch besser schmeckt mir einfach die Kuhmilch. Genauso ist es mit Joghurt.
    Außerdem bin ich einfach in dem Zwiespalt, dass ich mich möglichst mit unverarbeiteten Lebensmitteln ernähren möchte. Da esse ich lieber einen natürlich gereiften Käse als veganen Käse mit tausend Zusatzstoffen.
    Insgesamt ist das Dilemma für mich aber groß, wenn du magst, kannst du dir meinen Post dazu durchlesen: http://frischundknackig.blogspot.de/2017/01/omnivor-omnivorer-am-omni.html

  • #4

    Hoffmann Gertrude (Mittwoch, 15 März 2017 18:06)

    Sehr schade. Ich ernähre mich erst seit zwei Monaten vegan. Vertrage auch keine Soja Produkte und habe jede Menge Allergien. Ich esse auch fast keine verarbeitenden Produkte, mochte ich schon früher nicht. Ich koche viel Gemüse, Rezepte gibt's im Netz, Salate, Aufstriche ohne Soja gibt's genug. Auch bei mir war es am Anfang nicht einfach, die richtige Ernährung für mich zu finden. Aber es wurde immer besser, umso mehr ich mich damit auseinandersetzt. Den Tieren zuliebe war aufgeben für mich keine Option. Freu mich schon jeden Tag , wenn mein Essen fertig ist. Ich esse jetzt viel bewusster , genieße meine Speisen richtig. Und das ohne schlechtes Gewissen. Habe mich vorher monatelang informiert und recherchiert, und eines Tages war es soweit, ich war bereit. Solltest du es irgendwann wieder versuchen, wünsche ich dir viel Erfolg.