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Von Fotogenität, Selbstkritik und Schokoladenseiten

Ich weiß, ich weiß - long time no blogpost. Die Uni hatte mich in den letzten Monaten fest im Griff und auch meine Schreibmotivation habe ich vergeblich gesucht. Gestern kam der Schreibwahn aber spontan zurück und das musste ich gleich ausnutzen.

 

Gestern haben David und ich wieder einmal ein bisschen geshootet und versucht, neue Porträts von mir anzufertigen. Als ich die Bilder durchsah und 99% der Bilder sofort löschen wollte, kam der imaginäre tadelnde Zeigefinger, den ich mir eigens antrainiert habe und machte mir wieder einmal deutlich, wie kritisch und oberflächlich ich mich wieder einmal betrachtet habe.

 

Fotografie und Selbstkritik bzw. Perfektion sind eng miteinander verbunden und deshalb wollte ich das Thema auch einmal hier auf meinem Blog aufgreifen. 

Fotografie und die "unfotogenität"

Wie ich schon oft erwähnt habe, ist es nicht unbedingt einfach, mich zu fotografieren. Abgesehen davon, dass ich zwecks Bildaufbau, Winkel etc. als Fotografin auch bei meinen eigenen Porträts sehr anspruchsvoll bin, ist mein Ausdruck oft nicht sonderlich modelwürdig, meistens habe ich die Augen zu und manchmal schaue ich aus als wäre ich 12 Jahre alt. Naja, die Karriere als Austrias next Topmodel wird wohl immer ein Traum bleiben...

 

Ich muss sagen, wenn ich immer einen Euro bekommen hätte, wenn mir ein Kunde oder ein Freund gesagt hat, dass er/sie unfotogen sei, dann wäre sicher bereits ein neuer Kleinwagen für mich drin. Nein, Spaß beiseite.

 

Ich persönlich würde mich auch als unfotogen bezeichnen, dabei glaube ich ja, dass das Wort "unfotogen" meist als Synonym für "ich bin einfach viel zu selbstkritisch" verwendet werden kann. Egal wie "patschert" ich mich vor der Kamera anstelle, es ist meistens ein Foto dabei, dass mir dann richtig gut gefällt. Und auch bei meinen Kunden, die wirklich ALLE (nach eigenen Angaben!) prinzipiell unfotogen sind, finden sich meist sogar mehr Fotos als erwartet, die ihnen total gut gefallen. "Unfotogenität" ist meiner Meinung nach ein Mythos, denn ich bin der Meinung, dass man von wirklich jedem Menschen ein gutes Foto machen kann, objektiv betrachtet. Ob die Person sich dann subjektiv auch schön darauf findet, hängt vom Grad der Selbstkritik ab, der man sich selbst unterzieht und wie zufrieden man mit sich selbst ist.

 

 

Wir sind viel zu selbstkritisch und viele Menschen sind wirklich unsicher vor der Kamera und ich kann das auch nachvollziehen, vor Allem wenn ich selbst vor und nicht hinter der Kamera stehe. Oft höre ich "Du bist ja so fotogen, deine Fotos sehen immer so toll aus. Solche hätte ich auch gerne von mir aber ich bin nicht so fotogen wie du!". Dass es oft langes Durchhaltevermögen und Geduld von David verlangt und meine Bildbearbeitungskünste danach (wobei ich sehr sparsam bearbeite), sieht man am sorgfältig ausgewählten Profilbild natürlich nicht.

 

Nichtsdestotrotz möchte ich damit sagen, dass ich in den letzten Jahren viel an mir gearbeitet habe und immer selbstbewusster geworden bin. Ich fühle mich wohl in meinem Körper und mit meinem Aussehen und finde es immer wieder schade, wenn eine Person sich selbst nur kritisiert wenn sie sich im Spiegel betrachtet. Es ist ein langer Prozess, aber wenn ich das von einem Menschen höre möchte ich ihn am liebsten mit einem Kübel Selbstvertrauen und Selbstliebe überschütten, denn jeder Mensch hat schöne und einzigartige Merkmale, die man einfach viel mehr an sich mögen und betonen sollte und nicht immer nur das vermeintlich Negative.

Social Media & Selbstkritik - ein zusammenhang?

 

Obwohl ich ja selbst auf sozialen Medien aktiv bin, so bin ich auch eine harte Kritikerin von Instagram & Co, was ja auch schon in meinem Artikel über den fehlenden Individualismus auf sozialen Netzwerken letztes Jahr ersichtlich war (hier findet ihr ihn). 

 

Es ist anscheinend angeboren oder ein natürlicher Reflex, dass wir möchten, dass andere Personen gut von uns denken und durch soziale Medien wurde dies meiner Meinung nach noch verstärkt und beeinflusst unser Leben unbewusst. Auf Instagram, Facebook & Co wollen wir uns in bestmöglichem Licht, an außergewöhnlichen Orten und dauerglücklich präsentieren. Wir möchten, dass andere neidisch werden, wenn sie unseren Feed sehen und versuchen uns mit perfekten Selfies und Urlaubsbildern gegenseitig zu übertrumpfen. Natürlich ist das nicht bei allen Usern der Fall und man möchte auch einen positiven Austausch auf diesen Netzwerken unterstützen, jedoch fehlt mir manchmal dabei die Realität.

 

Vor allem viele bekannte Blogger/Influencer auf Instagram haben (meist unbewusst) viel Einfluss auf unser eigenes Social Media- und Kaufverhalten und auch auf unsere Selbstkritik, wie ich finde. Perfekte Selbstdarstellung ist ihr Job und dabei darf man natürlich nie vergessen, dass sie uns genau das sehen lassen, was sie uns sehen lassen möchten und das ist meistens nur ein verzerrtes und bearbeitetes Abbild der eigentlichen Realität. 

 

Ein perfekt drappiertes Avocado-Brötchen, perfekt ausgeleuchtete Selfies und ständig neue Urlaubsdestinationen lassen unseren eigenen Feed meist schlecht dastehen und das löst in uns meist Unzufriedenheit aus. Ihr kennt das, oder? 

 

Soziale Netzwerke verleiten uns dazu, uns ständig mit anderen zu vergleichen und zu übertrumpfen und das stört mich ungemein. Ich habe das mittlerweile ziemlich gut im Griff, aber manchmal ertappe ich mich doch noch dabei, mich insgeheim dafür zu geißeln, dass ich gestern nicht im Fitnessstudio war und somit nicht so einen definierten Körper wie XY habe. Dass dabei das Posing, die Belichtung und manchmal auch Retuschierung eine Rolle spielen, blendet mein Hirn dabei irgendwie aus. Bei Foodbloggern denke ich mir immer, wieso schaffe ich es nicht auch so gesund zu essen wie XY und wieso schauen meine Pancakes nicht so perfekt aus? Dass das meist professionelle Köche/Bäcker sind und ich keinen Funken Talent für das Zubereiten von Süßspeisen habe, blende ich dabei auch irgendwie aus. Trotzdem fühle ich mich dann, auch wenn nur für einen kurzen Moment, schlecht. Ihr kennt das sicher. 

 

Es ärgert mich selbst und ich frage mich wirklich manchmal wieso mein Gehirn solche Schlüsse zieht, ohne, dass ich es eigentlich will. Anstatt dies zuzulassen und sich immer nur auf das vermeintlich perfekte Leben Anderer zu konzentrieren, habe ich mich in den letzten Jahren etwas intensiver mit Selbstzufriedenheit etc. befasst, um mit mir selbst ins Reine zu kommen und nicht ständig an mir herum zu meckern.

 

Je zufriedener man in seinem Leben ist, desto weniger "neidisch" ist man auf den Bali-Trip dieser und jener Blogger und gönnt ihnen den Urlaub und denkt sich vielleicht "Wow, da möchte ich auch mal hin" anstatt "Ich war dieses Jahr nur am Neusiedlersee". Wenn man lernt, positiver über das eigene Leben zu reflektieren und zufrieden mit dem zu sein was man hat, fällt einem das positive Erleben von Instagram & Co wirklich leichter.

 

Ich möchte betonen, dass Social Media natürlich nicht allein dafür verantwortlich ist, dass wir immer mehr an uns zu meckern haben. Es spielen auch Selbstbewusstsein, Schönheitsideale, Selbstwahrnehmung und die allgemeine Zufriedenheit im Leben eine Rolle dabei, aber Instagram & Co geben uns eine Plattform, unsere Unzufriedenheit und Unsicherheit voll auszuleben und das gilt es durch mehr Selbstzufriedenheit im eigenen Leben entgegenzusteuern.

 

Die schokoladenseite alias dein Instagram feed

Ich selbst bin, anders als vielleicht vor 3 Jahren, nicht mehr so anfällig für diese Art von Unzufriedenheit. Seit ich blogge und fotografiere beschäftige ich mich natürlich mit Selbstdarstellung auf sozialen Medien, Instagram-Feeds und dem richtigen Winkel für das perfekte Selfie und weiß, dass es auch harte Arbeit ist, sich selbst immer nur von der Schokoladenseite zu zeigen und dass oft einige Tricks und Filter hinter einem perfekten Bild stehen. 

 

Ja, die berühmte Schokoladenseite. Sie ist ein Teil bzw. eine Seite einer Person, die man am liebsten an sich hat und der Ausschnitt, den man den Followern von sich zeigen möchte. Ein Instagram-Feed oder ein Facebook-Profil ist, wie ich finde, die Schokoladenseite unseres Lebens und das sollte man beim Betrachten solcher Feeds immer im Hinterkopf haben.

 

Niemand macht ein ungeschminktes Selfie von sich, wenn er mit der Grippe zu Hause liegt und lässt die anderen daran teilhaben, oder? Nein, das Selfie am Strand mit braungebrannter Haut oder das Selfie vor demFortgehen mit ca. 1 Tonne Schminke im Gesicht wird hochgeladen. 

 

 

In Zeiten von makellosen Instagram-Feeds in Weiß-und Pastelltönen und fehlerfreier Selbstdarstellung in sozialen Netzwerken, finde ich es erfrischend, wenn sich jemand natürlich zeigt und sein eigenes Leben nicht immer nur perfekt darstellt. Ich entfolge immer mehr Profilen, die immer nur dieselben "Friede, Freude, Eierkuchen" - Fotos zeigen und folge immer mehr Menschen, die zwischen ihren persönlichen Erlebnissen auch einen realen und ungeschminkten Einblick in ihr Leben geben.

scheiss auf perfektion!

Um euch ein bisschen die Selbstkritik zu nehmen und euch auch einmal die Realität hinter einem vermeintlich perfekten Profilbild zu präsentieren, möchte ich euch heute die Bilder zeigen, die sonst eigentlich sofort von mir gelöscht werden. 

 

Manchmal muss man über sich selbst lachen können und ich finde es immer schade, wenn sich Menschen nicht vor die Kamera trauen, weil sie einfach viel zu hart mit sich selbst ins Gericht gehen. Auch ich bin nicht perfekt und möchte es auch gar nicht sein. Nicht immer ist der Winkel oder das Licht vorteilhaft, man ist nicht immer geschminkt und manchmal gelingen die Pancakes auch nicht, aber so ist das Leben. Es scheint nicht immer die Sonne und es ist nicht immer alles so toll, wie es vielleicht dargestellt wird, haltet euch das immer vor Augen.

 

 

Ich lade dich gerne dazu ein, eine neue Seite von dir kennenzulernen, indem du dich auch einmal vor meine Kamera traust. Ich versichere dir, dass auch solche Schnappschüsse wie die von mir in diesem Beitrag entstehen werden aber ich versichere dir auch, dass ich dich in bestem Licht darstellen und trotzdem deine Natürlichkeit bewahren werde. Gerade jetzt, wo der Frühling endlich da ist und alles blüht (Kirschblütenzeit!), ist die Zeit reif für ein paar neue Porträts, oder? Falls du Interesse hast, kannst du mich jederzeit kontaktieren und wenn du dich in den nächsten zwei Wochen bei mir meldest, kannst du dir sogar einen Frühlingsrabatt sichern! Hier kannst du mit mir in Kontakt treten.

In diesem Sinne: legt die Eitelkeit auch manchmal beiseite und habt euch selbst ein bisschen mehr lieb.

 

Was hält ihr denn von diesem Thema? Lasst gern eure Meinung unter diesem Beitrag hier, ich freue mich darauf!

 

Eure Sarah :)

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