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3 Gründe, warum ich meine Bilder nicht bearbeite

"WAS?! Sie bearbeitet ihre Bilder nicht?" Alle Fotografen schreien wahrscheinlich jetzt auf. Aber es stimmt, (fast) alle Fotos die ihr von mir sehen könnt und die auch hier auf meiner Webseite und auch in diesem Beitrag vorkommen, sind unbearbeitet. Was es mit diesem fast auf sich hat, erkläre ich weiter unten.

Zunächst einmal, muss ich betonen, dass die im Artikel vorherrschende Meinung (wie üblich) nur meine eigene ist, ich "nur" eine Hobbyfotografin bin und keine Empfehlung über die Bildbearbeitung abgebe. Dieser Artikel dient einzig und allein zum Verständnis dazu, wieso ich meine Bilder kaum bearbeite.

 

Mit diesem Artikel werde ich höchstwahrscheinlich ein wenig bei den (Hobby-)Fotografen polarisieren. Um das zu vermeiden, bitte ich, den Artikel bis zum Schluss zu lesen und keine voreiligen Schlüsse zu ziehen und meine Meinung wenn möglich zu akzeptieren. Der Grat ist zwar sehr schmal, aber ich möchte in diesem sehr ausführlichen Artikel nur erklären, wieso ich mich gegen Bildbearbeitung entschieden habe und verurteile nicht jene, die sich dafür entschieden haben. Bitte behaltet das beim Lesen im Hinterkopf.

 

Jeder (Hobby-)Fotograf hat zum Thema Bildbearbeitung einen anderen Zugang und das ist auch gut so, sonst wären ja alle Bilder gleich. Die einen verbringen stundenlang auf Photoshop oder Lightroom um das perfekte Bild zu haben und die anderen drehen ein bisschen am Kontrastregler und das wars auch schon (ich gehöre eher zu letzterer Gruppe). 

 

Ich wurde mittlerweile schon öfter gefragt, ob und wie ich meine Bilder bearbeite und deshalb versuche ich die offenen Fragen in diesem Blogartikel zu beantworten.

 

Ich versuche die Realität, also meine subjektive Wahrnehmung einer Situation bzw. eines Motivs, so gut es geht einzufangen. Hier spiele ich natürlich mit Belichtungszeit, Blende und ISO und gebe mir Mühe, das Motiv oder die Person so gut zu platzieren, dass ich auch am Bildausschnitt nachträglich nichts ändern muss. Kurz gesagt: Ich achte während ich fotografiere darauf, dass Licht, Motiv und Ausschnitt so gut zusammenspielen, dass das Bild sofort veröffentlicht werden kann, wenn ich auf den Auslöser gedrückt habe.

 

 

Warum ich das so mache?

1. Ich fotografiere im JPEG-Format

Was heißt das? Wenn man im JPEG-Format fotografiert, durchlaufen die gemachten Aufnahmen nach dem Sensor und der Digital-Umwandlung vereinfacht gesagt einem standardisierten "Korrekturprozess" (Weißabgleich, Kontrast, usw.), bevor sie als fertige komprimierte JPEG-Datei die Kamera verlassen. Das Bild kann also sofort verwendet werden.

 

Man kann aber auch im Raw-Format fotografieren. Das heißt, das Foto durchläuft nach dem Sensor und der Digital-Umwandlung keiner Korrektur und steht somit "roh" zur Verfügung, also so wie der Sensor das Bild "gesehen" hat. Ein Raw-Bild entspricht sozusagen dem aus der Zeit der analogen Fotografie bekannten Negativfilm. Die Bilder sind unkomprimiert (brauchen mehr Speicherplatz) und haben viel feinere Abstufungen bei Farbdetails in der Nachbearbeitung, was wahrscheinlich der größte Vorteil bei Raw-Bildern ist, weil man mehr aus dem Bild "rausholen" kann. Out of camera ist eine Raw-Datei im Vergleich zu einer JPEG-Datei äußerst kontrastarm, dunkel und meist auch unscharf, das Bild muss durch Nachbearbeitung immer erst "entwickelt" werden.

 

Was die verschiedenen Vor- und Nachteile von JPEG und RAW angeht, darauf möchte ich in diesem Artikel jetzt nicht näher eingehen, das würde nämlich den Rahmen sprengen. Ich habe das JPEG-RAW-Thema aber kurz ansprechen müssen, da ich den Kommentar "Aber deine Bilder sind doch schon bearbeitet, wenn du in JPEG fotografierst" gleich mal vorwegnehmen wollte, es stimmt streng genommen ja auch. In Raw hat man halt mehr Kontrolle über den "Korrekturprozess" und macht es selbst, bei JPEG macht es die Kamera. Mit meinem Titel möchte ich aber deutlich machen, das ich selbst nach dem automatischen "Korrekturprozess" der Kamera nichts mehr am Bild ändere. Außerdem wollte ich auch den Nicht-Fotografen kurz erklären, in welchem Format ich fotografiere, um einen kurzen Einblick in diese Thematik zu geben und somit zu verstehen, warum ich meine Bilder nicht bearbeiten muss (weil sie es streng genommen ja bereits sind).

2. Ich möchte die Realität so gut es geht, einfangen

Ich will, dass meine Bilder den Ort oder das Motiv genau so wiedergeben wie ich es erlebt habe. Wieso soll ich eine Falte wegretuschieren, wenn sie in der Realität doch existiert? Oder wieso soll ich einem Haus ein sattes grasgrün verpassen, wenn es in der Realität nur ein sehr blasses mintgrün war? Ich möchte euch meine Bilder so natürlich und realistisch wie möglich zeigen und sie nicht mit quietschbunten Farben "verfremden", die in Wirklichkeit gar nicht so aussehen.

 

Ich widerspreche niemandem, wenn er sagt, dass Bilder aber manchmal nachbearbeitet besser aussehen und ich habe auch kein Problem damit, wenn jemand so bearbeitet. Aber für mich wären es dann eben nicht mehr meine Bilder bzw. mein Stil und nicht mehr die Realität, die ich mühsam versucht habe einzufangen. 

 

Wovon ich kein Fan bin, ist das "Verfälschen" der Farben und das "Überbearbeiten". Sicher sieht ein Sonnenuntergang in satten Lila- und Blautönen gut aus aber wieso ihn so verfälschen, wenn er eigentlich nur leicht rosa war? Ich bin eher für das natürliche Bearbeiten, also hier und da ein bisschen Kontrast oder Wärme, wenn es nötig ist, mehr auch nicht.

 

Bei der Landschaftsfotografie beispielsweise ist man öfter darauf angewiesen, die Helligkeit oder den Kontrast zu verändern, weil man hier nicht beliebig belichten kann wie zum Beispiel bei einem Portrait. Den Sonnenuntergang kann ich nicht so einfach woanders "hinstellen", mit einem Reflektor oder Blitz nachhelfen, bei einem Model hingegen schon. Oft sind die Farben dann auch nicht so wie man sie wirklich gesehen hat.

 

 

Hier verstehe ich natürlich wenn man ein bisschen nachhilft, um das Bild so herzuzeigen, wie man es selbst erlebt hat. Viele übertreiben es aber mit der Bildbearbeitung und man sieht einfach, dass das Bild nicht so ausgesehen hat. Sicherlich gefallen mir manchmal auch solche Bilder, aber ich persönlich fotografiere eben anders.

Um meinen Standpunkt etwas zu verdeutlichen, möchte ich euch gerne dieses Bild zeigen, dass ich einmal in einen Beitrag in einer Fotografie-Gruppe gepostet habe, in dem es um Bildbearbeitung ging. Das Bild ist out of camera, das habe ich auch geschrieben und gefragt, was an dem Bild denn alles zu bearbeiten sei. 

 

Einige Antworten waren: 

  • Die Blüten sind nicht alle perfekt, er/sie hätte es so gar nicht fotografiert bzw. nachbearbeitet. 
  • Ein Blatt hängt runter (links), das hätte er/sie wegretuschiert. 
  • Die Kante, die man sieht, könnte man entfernen. 
  • Der Kontrast der weißen Tulpen auf einer weißen Wand geht überhaupt nicht, die gehören in einer Farbe.

Viele werden diesen Antworten auch zustimmen und ich verstehe das wirklich vollkommen, Fotografie ist schließlich auch Geschmackssache. Ich habe dieses Bild gewählt um meine eigene Ansicht zu verdeutlichen und zu erklären, warum ich das Bild so wie es ist auch veröffentlicht habe. 

 

Das Leben ist nicht perfekt. Auch Blüten müssen es nicht sein. Wieso soll ich sie so nicht ablichten? Das Blatt hängt runter? So hat es nun mal ausgesehen. Die Kante, die man sieht, ist deshalb vorhanden, weil ich das Bild auf meinem Wandverbau geschossen habe (die einzige Stelle in der Wohnung mit schönem natürlichem Licht und weißem Untergrund) und ich (noch) keine Lightbox besitze. Und das dürfen meine Leser/Follower gerne sehen und wissen. Den Kontrast bzw. die Farbe der Tulpen könnte man natürlich auch ändern, aber wieso soll ich sie rosa einfärben, wenn sie in Wirklichkeit weiß sind?

 

Das ist natürlich meine subjektive Meinung und mir gefällt das Bild wie es ist aber wie gesagt - Geschmackssache. Mit diesem Beispiel wollte ich einfach vermitteln, dass es einfach unterschiedliche Meinungen darüber gibt, was "schön" ist und was nicht und das ist auch gut so.

3. Zeit & Geduld

Ich liebe das Fotografieren, es ist einfach ein wunderschönes Hobby. Es macht mir Spaß, den richtigen Winkel und Ausschnitt zu finden und alles perfekt einzustellen. Das Nachbearbeiten würde mir persönlich eigentlich nur den Spaß verderben. 

 

Manchen macht es jedoch total Spaß ihre Bilder zu bearbeiten und das ist auch völlig in Ordnung. Aber wenn ich ein Foto schieße und dann noch stundenlang vor Photoshop sitzen muss, um es perfekt aussehen zu lassen, macht das mir ganz persönlich leider keinen Spaß.

 

Abgesehen davon, kenne ich mich mit Photoshop & Co so gut aus, wie mit Flugzeugmotoren und ich möchte mich derzeit auch nicht damit befassen. Vielleicht ändert sich das ja im Laufe der Zeit aber momentan bin ich mit meinen Ergebnissen auch ohne Bearbeitung sehr zufrieden.

Wann ich doch bearbeite

Die Kunst der Fotografie ist für mich, das Licht, das Motiv und den Ausschnitt so gut in dem Moment einzufangen, dass ich danach nicht eine Stunde vor dem PC sitzen muss, um es nachzubearbeiten (deshalb fotografiere ich auch in JPEG). Für mich findet Fotografie draußen mit der Kamera statt, anstatt zu Hause vor dem Laptop. Versteht mich nicht falsch, ich möchte damit nicht sagen, dass Menschen die ihre Bilder bearbeiten keine Fotografen sind, sondern lediglich, dass es einfach nicht meine Art der Fotografie ist. 

 

Es klappt natürlich nicht immer einwandfrei, auch ich schneide manchmal ein Bild zu, rücke den Horizont gerade oder erhöhe die Helligkeit oder den Kontrast, wenn ich mich einmal verschätzt habe. Das sind aber meist seltene und minimale Änderungen, die das Erlebte nicht verfälschen, sondern so wiedergeben sollen, wie ich es erlebt habe.

 

Ich fotografiere sehr gerne draußen, weil das natürliche Tageslicht das schönste Licht ist, wie ich finde. Man kann hier auch sehr gut mit diversen Reflektoren (vor allem bei Portraits) arbeiten, die das Licht entweder kühler oder wärmer wirken lassen, ganz ohne Bildbearbeitung. 

Vor allem die Mittagssonne sollte man, wenn möglich vermeiden, sie verfälscht nämlich die Farben und lässt sie (witzigerweise) kühler erscheinen. Hier helfe ich meist mit Wärme oder Kontrast nach, um das Bild so hinzubekommen, wie ich es in dem Moment gesehen habe. 

 

 

Wenn ich Schwarz-Weiß fotografieren möchte, versuche ich gleich auf der Kamera monochrom einzustellen, damit ich nachträglich das Bild nicht noch ändern muss. 

Fazit

Mir ist durchaus bewusst, dass ich auf einem Foto nie die ganze Realität abbilden kann. Ich als (Hobby-)Fotografin, bin eine subjektive Betrachterin, die darüber entscheidet, welchen Ausschnitt der Realität sie zeigen möchte. Aber mir ist bei meinen Bildern, wie schon erwähnt, wichtig, dass dieser Ausschnitt so realistisch und natürlich wie möglich ist.

 

Mir gefallen meine Bilder, wie sie sind. und das ist auch das Wichtigste. Vielleicht sagen einigen von euch meine Bilder überhaupt nicht zu und das ist auch völlig okay - jeder hat einen anderen Geschmack.

 

Ich bekomme von meinen Lesern bzw. Followern oft so tolles Feedback und auch einige Anfragen für Portraits sind schon bei mir eingegangen. Das zeigt mir, dass ich auf dem richtigen Weg bin, auch ohne aufwendige Bildbearbeitung. Natürlich muss auch ich manchmal nachhelfen, aber eben nur wenn es wirklich nötig ist.

 

Viele Raw-Fotografen "entwickeln" ihre Bilder lieber selber um mehr rausholen zu können, als das bei JPEG möglich ist und hier können wirklich tolle Bilder entstehen. Die meisten übertreiben meiner Meinung nach aber beim Entwickeln, "überbearbeiten" das Bild und das wirkt dann sehr schnell realitätsfern. Viele Fotografen haben aber genau das zum Ziel, nämlich nicht die Realität einzufangen, sondern eine ganz neue Welt mittels Bildbearbeitung in einem Foto zu kreieren und das ist auch gut so. Wenn wir alle den selben Stil hätten, wäre die Welt der Fotografie doch ziemlich langweilig, oder?

 

Nichtsdestotrotz finde ich, die Kunst der Fotografie sollte wieder mehr darin liegen, das Motiv in dem Moment so gut zu treffen, dass es sofort hergezeigt werden und nicht das stundenlange Sitzen vor dem Laptop. 

 

 

Viele (Hobby-)Fotografen werden sich hier an den Kopf greifen, weil sie sagen im heutigen Zeitalter gehört die Bildbearbeitung  einfach zur Fotografie und es ist völlig in Ordnung, wenn man dieser Meinung ist. Aber ich bin eben anderer Meinung, habe meinen eigenen Stil und finde, dass man auch ohne aufwendige Bildbearbeitung wunderschöne Werke kreieren kann. 

 

Das heißt nicht, dass mir bearbeitete Bilder nicht gefallen - im Gegenteil - es gibt wahnsinnig tolle Fotografen, von denen mir auch bearbeitete Bilder gefallen. Aber deshalb muss ich es nicht genau so machen. Schließlich sind wir alle unterschiedlich, haben unsere eigene Art zu Fotografieren und das hat natürlich auch viel mit Geschmackssache zu tun. Manche sehen gerne stark bearbeitete Bilder, andere wiederum mögen Bilder, die so natürlich wie möglich aussehen. 

 

 

Ich möchte noch einmal wiederholen, dass ich niemanden mit diesem Artikel angreifen oder gar beleidigen möchte, sondern lediglich erklären möchte, wieso ich mich gegen Bildbearbeitung entschieden habe. Mir ist klar, dass ich damit ein sehr heikles Thema in der Welt der Fotografie angesprochen habe, aber ich wollte diese Frage nicht unbeantwortet lassen und ihr einen ausführlichen Artikel widmen.

 

Vielen Dank fürs Lesen an dieser Stelle und meine Frage an euch ist, ob und wie ihr eure Bilder denn bearbeitet? Lasst es mich in den Kommentaren wissen oder schreibt mir auch gerne eine Nachricht!

 

Eure Sarah :)

 

P.S.: Ich fotografiere mit meiner Abby, eine Nikon D5300 mit Kit-Objektiv 18-105mm und auch sehr oft mit meinem Nikkor-Objektiv mit Festbrennweite 50mm und 1,8 Blende

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Kommentare: 2
  • #1

    Franzi (Donnerstag, 20 April 2017 15:47)

    Deine Bilder sind wirklich wahnsinnig schön!
    Ich muss sagen, dass ich dieses Jahr eine Ausbildung als Fotografin beginne, aber mich hundertprozentig in deinem Beitrag wiedererkannt habe! Ich kann nichts dazu sagen, außer dass ich es genau so wie du sehe :) Im Beruf wird es anders ablaufen, aber privat und für meinen Blog fotografiere ich mit der gleichen Philosophie.
    Lg

  • #2

    Beate Feische (Donnerstag, 14 September 2017 08:38)

    Das ist meine Einstellung!
    Schöne Bilder!
    Herzlichen Gruß
    Beate